Jüdisches Museum, Berlin

Am 18. August 2020 eröffnet die neue Dauerausstellung des Jüdischen Museums in Berlin. FRAMEGRABBER Medien konzipiert und plant in Zusammenarbeit mit der ARGE chezweitz & Hella Rolfes Architekten die gesamte Medienstruktur und produziert die nachfolgend beschriebenen interaktiven Medienstationen. 

Darüber hinaus betreut FRAMEGRABBER verschiedene internationale Künstler bei der Umsetzung Ihrer Installationen, darunter mehrere Panoramaprojektionen, die von FRAMEGRABBER technisch und inhaltlich betreut werden. Über 20 Spaceplayer (Mini-Projektoren von Panasonic, die in der Lichtschiene befestigt werden können) bespielen neben dem Wegeleitsystem auch die A-Texte der Ausstellung. Dabei wird ein durch Ausstellungsgrafik auf die Wand aufgebrachter Text und eine gedruckte Europakarte mit medialen Inhalten ergänzt.

Mehrere Raumtoninstallation bespielen einzelne Ausstellungsbereiche, so können BesucherInnen im Klangraum an sog. Klangpfeiffen jüdische Lieder hören oder sich in den Schabbat-Raum zurückziehen. Dabei durchqueren BesucherInnen einen nach hinten enger werdenden Raum und gehen vorbei an Alltagsgeräuschen und Verkehrslärm, um dann in der ruhigen Umgebung einer Schabbat-Feier in einem jüdischen Wohnzimmer zu landen. Alle Medienstationen sind eng in die Ausstellungsszenografie eingebunden.

Emigrationsziele

Durch analoges Drehen eines Globus können BesucherInnen die Projektion einer dreidimensional animierten Weltkugel steuern. Das Hands-On Exponat gibt Auskunft über die Emigration zu Zeiten des Nationalsozialismus und zeigt an, in welche Länder Juden währen der Jahre ihrer Verfolgung emigriert sind. Die 91 verschiedenen Länder, in die Juden aus Deutschland emigriert sind, können einzeln über den Globus angesteuert werden. Wird eines der Länder ausgewählt erhalten BesucherInnen Informationen über die Zahl der ausgewanderten Juden die in das jeweilige Land geflüchtet sind zusammen mit vertiefenden Informationen und historischen Bildern. Das interaktive Exponat macht durch die Drehung des Globus die Entfernung zum Ursprungsland haptisch erfahrbar. Die Bedienung erfolgt intuitiv. Der Globus ist unterfahrbar und damit barrierefrei zugänglich.

Falconet

Dieses interaktive mediale Hands-On Exponat reagiert auf die Berührung durch BesucherInnen. Das Kernstück bildet dabei das abgeformte dreidimensionale Fragment eines Herzens das ursprünglich zu der Skulptur „L`amitié au coeur“ von Étienne-Maurice Falconet gehörte. Das originale Fragment der Skulptur, das neben dem medialen Exponat ausgestellt wird besteht aus einem Herz das zum Teil noch von Fingern umschlossen wird. Nehmen BesucherInnen das Herz nun in die Hände, erzählt dieses aus der Ich-Perspektive von seiner bewegten und wechselvollen Geschichte. Ursprünglich Teil der Pariser Rothschild Sammlung wird die Skulptur von den Nationalsozialisten geraubt und in die Sammlung von Hermann Göring nach Carinhall verbracht. In der Nachkriegszeit galt die Figur als verschollen, tauchte jedoch bei illegalen Grabungen wieder auf, von wo aus sie auf den Kunstmarkt gelangte. Heute ist das Fragment im Besitz des Jüdischen Museums Berlin. Durch den haptischen und auditiven Zugang zur Geschichte der Skulptur wird auch eine Teilhabe Blinder und eingeschränkt sehfähiger BesucherInnen gewährleistet. Der intuitive Zugang ist niedrigschwellig und die Ich-Erzählung schließt nahezu alle Besuchergruppen mit ein. Auch Rollstuhlfahrer*innen können das Herz berühren und die Interaktion auslösen.

Echad mi jodea

Die singende Weltkarte - Echad mi jodea - ist ein haptisches und interaktives mediales Exponat bei dem BesucherInnen  die Verbreitung der jüdischen Sprache intuitiv und spielerisch entdecken können. In eine erhabene Weltkarte sind insgesamt 16 Taster eingelassen durch deren Betätigung Hörbeispiele mit Originaltönen aus der jeweils gewählten Region ausgelöst werden. Die Hörbeispiele aus der ganzen Welt lassen die Verbreitung der Sprachen erlebbar werden. Durch die erhabenen Kontinentalplatten ist das Exponat auch für Blinde und sehbehinderte BesucherInnen geeignet.

Dein Name auf Hebräisch

An der Medienstation „Dein Name auf Hebräisch“ können BesucherInnen sich ihren Namen ins hebräische übersetzen lassen. Zettel und Stifte liegen neben dem Monitor bereit und geben BesucherInnen so die Möglichkeit sich den übersetzen Namen abzuschreiben und sich durch den Akt des Schreibens mit den hebräischen Buchstaben auseinander zu setzen. Die Schrift wird als Erfahrung greifbar.

Migrationsspur

Der „Migrationssteg“ führt den Besucher durch einen Teil der Segmente des Epochenbilds. Auf dem Geländer dieses erhöhten Stegs sind in chronologischer Ordnung demographische Informationen als Grafikexponat aufgebracht. Zwischen diesen Informationen sind insgesamt fünf interaktive Medienstationen eingefügt.  Die Medienstation „Migrationsspur“ behandelt die Zu- und Abwanderung von Juden nach Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs anhand von filmischen und fotografischen Dokumenten. Insgesamt fünf Tablets sind dazu in ein mit Zahlen und einer kurzen Chronologie versehenes Geländer eingelassen. An den Tablets können sich die BesucherInnen anhand einer Wischbewegung durch verschiedene Inhalte „blättern“. Dabei ist jedes Tablet einer bestimmten Zeitspanne zugeordnet und enthält nur dazu mediale Angebote. Die ausgewählten Inhalte bestehen aus Bild- und Textinformationen bzw. Video- und Textinformationen. Alle Stationen sind nach demselben Animationsprinzip und Layout konzipiert.

Leistungen
Medienkonzeption
Medienproduktion
Medientechnische Planung
Animation
Panoramaprojektion
Programmierung
Audioproduktion
Fertigstellung

Kontakt Auftraggeber:
Jüdisches Museum Berlin | Michael Dorrmann | Lindenstrasse 9-14 | 10969 Berlin

Ausstellungsarchitektur:
ARGE chezweitz & Hella Rolfes Architekten

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum | 10969 Berlin

Ausstellungsfläche:
3.500qm